R I T U A L
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Es klingelte an der Tür.
“Wer kann das denn sein?”, dachte sie, legte die Fernbedienung beiseite, ging zur Tür und schaute durch den Spion.
“Du ahnst es nicht!”, sagte sie erfreut während sie die Tür öffnete.
“Mein Brüderchen! Was machst du denn hier?” Sie lächelte ihn strahlend an.
“Ich war grad in der Nähe, wann bin ich denn schon mal in Köln.”, sagte er, ebenfalls lächelnd und drückte seine Schwester fest an sich. Dann schob er sie ein Stück beiseite und sagte ehrlich erstaunt:
“Du bist ja ganz in weiß, hey, was ist los?”
Die beiden lächelten förmlich um die Wette.
“Ich wollte gerade ein Ritual machen. Dabei trage ich immer weiß.”
“Hey, das glänzt ja richtig!”, meinte ihr Bruder.
“Satäng glänzt halt.”, grinste sie.
“Satäng … sinnierte er. Manchmal vermisse ich diesen Slang. Ehrlich.”
“Ich weiß. Drum hab ich’s ja auch extra für dich so betont.” Sie lächelte.
“Jetzt komm endlich rein.” sagte sie, und er betrat die Wohnung. Sie hatten sich bestimmt über ein halbes Jahr nicht gesehen, er war viel unterwegs, beruflich und privat, und es wäre auch ein Wunder gewesen, wenn er sich vorher angemeldet hätte.
“Soso, ein Ritual.”, meinte er, und schaute sich dabei im Wohnzimmer um. “Meine Schwester, ein weißes Hexchen.” Er zog die Luft mehrmals hörbar durch die Nase. “Sag, was ist das für ein … Duft?”
“Weihrauch.”, gab sie zurück. “Ich möchte jetzt gerne anfangen. Ich bin verabredet. Wenn du zusehen möchtest, dann mach es dir einfach auf der Couch gemütlich. Es dauert nicht lange.”
“Verabredet?”, fragte ihr Bruder. ” Störe ich? Ich meine…ich bin ein paar Tage hier, ich könnte später noch einmal wiederkommen. Oder morgen.”
“Ich bin … in einer anderen Dimension verabredet. Also setz dich hin und … sei endlich still. Es dauert nicht lange und tut auch nicht weh. Versprochen.”, sagte sie mit einem zwinkern.
“Hol dir was zu trinken, du weißt ja wo alles steht.”
“Wenn’s nicht lange dauert, dann … werde ich deinem Tun jetzt einfach mal beiwohnen. Alles andere hat Zeit.”, sagte er und machte es sich auf der gemütlichen tannegrünen Ledercouch bequem.
Sie nahm die Fernbedienung und ließ die Musik spielen.
“Was hast du da aufgelegt?”, fragte er.
“Klänge aus der Wirklichkeit.”, antwortete sie. Und dann sagte sie liebevoll, aber dennoch in einem Ton der kein weiteres Wort zuließ: “Sei jetzt Still!”
Die Musik erklang. Zuerst leise, dann kraftvoller werdend. Eine Energie umfaßte ihn, wellenförmig, ähnlich einer Gänsehaut und doch damit nicht zu vergleichen. Und nun verfolgte er gespannt und ruhig dem Szenario was sich ihm bot. Seine Schwester nahm einen Holzstab von einem Tisch, auf dem verschiedene Dinge lagen, die er in ihrer Vielfalt so schnell nicht erfassen konnte. Blätter, Federn, Edelsteine … sie zeigte mit dem Stab in die Luft und benannte eine Himmelrichtung. “Süden!”, sagte sie leise, aber kraftvoll und zeichnete anschließend allerhand unbeschreibliches in die Luft. Dann nahm sie mit der linken Hand einen rundlichen größeren Kieselstein von diesem Tisch und sprach ein paar Worte in einer Sprache von der er nicht wußte, dass sie sie sprach. Und von der er auch nicht wußte, um welche Sprache es sich handelte. Aber es klang mystisch und das war gut. Später schnappte er ein paar Worte auf wie “Sanftheit” und “Frieden”, während sie sich in scheinbar alle Himmelsrichtugen drehte und diese Zeichen in die Luft malte.
“PAN, ich rufe dich an.”, sagte sie nun. Das Telefon stand auf der Teekiste gleich neben der Couch. Er warf kurz einen Blick auf das kleine schwarze Ding und schaute dann wieder herüber zu seiner Schwester. Und nun bemerkte er auch die Steine, die auf dem Holzboden lagen. Steine in Herzform, größere und kleinere, insgesamt acht Stück. Dann sah er, wie sich ein Lächeln auf ihr Gesicht legte, ein Lächeln wie er es an seiner Schwester noch nie gesehen hatte. Und auch er wurde erfaßt von der Energie dieses strahlenden Lächelns, so wahrhaftig dass es ihn gleich mitnahm und er nicht anders konnte als still zu werden und einfach nur dazusitzen und zu lächeln als hätte er gerade das größte Glück erfahren, was ein Mensch je erfahren konnte.
“Es ist vollbracht.” sagte sie nach einer Weile, legte den Holzstab und den Stein zurück auf den Tisch und schaute ihn an.
Er bemerkte dieses funkeln in ihren Augen, auch etwas was er nie zuvor an ihr gesehen hatte. Er tat einen tiefen Atemzug und sie setzte sich zu ihm.
“Schwesterchen, was machst du für Sachen?”, fragte er schmunzelnd und er fühlte sich so unerklärlich glücklich.
“Du siehst so glücklich aus, Herrmann, ach, das freut mich!”, antwortete sie.
“Ja … ich weiß auch nicht.”, meinte er.
“Wahrscheinlich sind es die Energien. Die gehen an keinem spurlos vorüber. Noch nicht mal an meinem Bruderherz.”, grinste sie und boxte ihm auf die Schulter.
Er bewegte seinen Arm in Richtung Tisch um sich den Holzstab näher anzusehen.
“Halt!”, sagte sie bestimmt. “Das ist mein Zauberstab.”
Er hielt mitten in der Bewegung innne.
“Meinen Zauberstab und meinen magischen Stein darfst du bitte nicht berühren. Alles andere gerne.”
Verdattert sagte er:
“Zauberstab? Für mich sieht das aus wie ein Stöckchen. Und … weißt du was? Ich fasse rein gar nichts an von all dem komischen Zeug was du da auf dem Tisch liegen hast.” Er schmunzelte dabei etwas ungelenk.
“Das kenne ich. Das hab ich auch mal gesagt, als mir jemand den Zugriff auf seine magischen Sachen verweigert hatte. Nenn es wie du willst, es ist mein Zauberstab. Den habe ich im Wald gefunden, er hat sich quasi von mir finden lassen und ich hab ein wenig an ihm herumgeschnitzt.”
“Aha.”, sagte er in diesem speziellen Ton, den sie gut von ihrem Bruder kannte.
“Und der Stein?”
“Der ist magisch.”, sagte sie. “Der ist aufgeladen mit magischen Energien.”
“Aha.”, sagte er wieder und setzte dabei einen unerklärlichen Gesichtsausdruck auf.
“Magisch also.”
“Ja, magisch. Ich hab ihn gereinigt bevor er für mich wirken durfte. Alle Energien die sich jemals in diesem Stein befunden haben sind entfernt worden um anschließend auf meinem Altar aufgeladen zu werden mit magischen Energien aus der geistigen Welt.”
“Soso …”, nickte er, “und woher hast du ihn?”
“Er wollte zu mir. *Nimm mich mit*, sagte er als ich ihn das erste Mal sah. Und ich steckte ihn in meine Tasche. Ich hab ihn quasi geklaut. In einem Vorgarten.”
“Hm …”, machte Herrmann, aber es war ihm nicht ungemütlich dabei. Er fand es interessant, was seine Schwester über diese Gegenstände zu sagen hatte und er war gespannt darauf, was alles noch kommen würde.
“Und Maris, ist das dein Freund? Du hast ihm zugeprostet und eben während des Rituals auf sein Wohl getrunken.”
Sie schmunzelte. “Ja, das ist mein Freund. So könnte man es sagen. Ich habe viele neue alte Freunde gewonnen in letzter Zeit.”
“Und diese Lady von der ich hörte, kenne ich sie, kannst du mich mit ihr bekannt machen? Muß ja ein nettes Persönchen sein.”, grinste er nun.
“Wenn du möchtest stelle ich sie dir vor, klar. Was tut man nicht alles für seine Brüder.”, sie kicherte. “Aber eigentlich ist das nicht nötig. Du kennst sie.”
“Ich kenne sie? Echt? Und wieso baust du eine Frau die ich kenne in ein Ritual ein? Willst du mich verkuppeln oder was?” Sie liebte es, wenn sie sich so mit ihrem Bruder unterhalten konnte.
“Die Lady ist dir wirklich gut bekannt. Sie ist genau DIE, die es dir möglich macht, hier zu sein.”
“Hier bei dir?”
“Ja, auch hier bei mir. Aber eigentlich … hier halt. Auf der Erde. In dieser Welt, in dieser Dimension.”
“Hmm…?”
“Lady Gaia. Jetzt sag nicht, du hättest diesen Namen noch nie gehört. Was meinst du denn wohl, was uns trägt, was uns hält, ist dir das nicht bewußt? Wo wären wir, wenn wir Lady Gaia nicht hätten?”
“Also keine Frau, die Lady die du eben in deinem Ritual erwähntest?”
“Keine Frau, aber dennoch eine Lady, DIE Lady schlechthin. Schlechthin … sag mal Herrmann, dieses Wort könnte man eigentlich streichen aus dem planetaren Wortschatz, oder? In Zusammenhang mit der Erde jedenfalls.”
“Erde. Lady Gaia ist also die … Erde?”
“Ja, ist sie. Die Erde. MUTTER ERDE.”
“Puh … jetzt wo du das so sagst … “
“Nicht wahr? Das muß man sich mal vorstellen. Wir alle haben etwas was uns trägt, die gesamte Menschheit. Etwas, was uns beherbergt, was uns hält, was uns überhaupt erst eine Möglichkeit gibt zu SEIN. HIER zu SEIN, zu leben, uns zu bewegen. Von hier nach da.”
“Mensch Mara. So hab ich das noch nie gesehen. Die Erde kann man sich ja echt nicht wegdenken. Was … oder wo … und wie wären wir, wenn wir die Erde nicht hätten?”
“Ich glaub jetzt hat er’s.”, sagte Mara, und schmunzelte wieder dieses Lächeln was ihr so schnell keiner nachmachen konnte.
“Ey, ehrlich, so hab ich das noch nie gesehen. Ich wiederhol’ mich, aber echt … wo wären wir eigenlich, wenn wir die Erde, diesen Planeten nicht hätten?” Er wurde nachdenklich. Sehr nachdenklich.
“Darüber hab ich mir echt noch nie ‘n Kopp gemacht.”
“Mutter Erde. Ich liebe sie, weißt du?” sagte Mara. ”Sag, magst du auch ‘n Schluck Wein? Ist n lieblicher Pfälzer, nix für Männer eigentlich.”
“Immer her damit. Ich mach’ heut mal ganz auf feminin und lieblich.” Sie nahm einen Krug aus ihrem alten französischen Holzschrank und ein angenehmes glucksen war zu vernehmen, während sich das Glas füllte.
*Pling*, tönten die Gläser, als sie sich zuprosteten und tief in die Augen blickten, die Geschwister, die sich so lange nicht gesehen hatten.
“Was machst du eigentlich hier in der Gegend?” fragte Mara, und stellte ihr Weinglas ab.
“Ach, weißt du … ?”, sagte Herrmann, und fing an zu erzählen …
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ICH BIN
MARA
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3 Kommentare »
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Einträge und Kommentare Feeds.
Wusste nicht wirklich ob ich Dir antworten soll oder nicht.
Du siehst die Steine als was göttliches, den Stock als was himmlisches, hörst auf Dein Herz und hast trotzdem Platz fürs wesentliche.
Gefällt mir…
Kommentar von Bamert— 23. Juli 2009 #
gut, dass du es getan hast, mich *froitz* !
AN’ANASHA – danke fürs lesen !
im wesentlichen ist WESEN und LICHT enthalten – ja SICHER, dafür ist platz satt.
Kommentar von G. Mara G.— 23. Juli 2009 #
herrMANNje wie die zeit sich dreht,
steht’s voran versteht sich.
ach HERR je
ich bin schon ganz WILD vor froide immer wieder
purzelbäume sähend überALL.
funkensprühend in fruchtbarer fülle schon bald
ein dICHter wald
so LEICHT so LICHT
so wohl im sinn
so wie’sICHs stehts gehör(n)t hald
ein gschdandener herrMANNs.wild im wald
schau, er winkt dir schon mal will kommen ins wildALL
welch vortrefflicher PlAN
ein Prost auf den Vielgestaltigen
und ein HERZlICHes AN’ANASHA an Dich MARA.
Kommentar von Ein Herr Mann— 9. Oktober 2009 #