G.fühlt

* born to be mild *

G.irrt

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heiter
weiter
goldener
reiter

*

 

es war beinahe so, als bewohnte ich allein ein ganzes dorf.
denn die einzelnen räume die zu meinem haus gehörten, lagen unendlich weit auseinander und waren weit verteilt.
für jedes bisschen mußte ich unwahrscheinlich weit gehen. manchmal mußte ich durch eine gruppe von menschen, wenn ich irgendwo hinwollte. es herrschte meist verrauchte kneipenstimmung.
sie sprachen zu mir, alle durcheinander, so dass ich kaum ein wort verstehen konnte. einer wollte mich wohl „auf den arm nehmen“ indem er sagte:
*das ist nicht das badezimmer in dem du wohnst.*, und er grinste dabei. hämisch.
verloren fühlte ich mich, weil die wege so weit waren und weil ich selbst nicht genau wußte wo alles war was ich benötigte.

an diesem abend hatte ich mich entschlossen, noch recht spät mit dem bus in die stadt zu fahren. und während ich irgendwo etwas brauchbares zum anziehen suchte, fragte ich meine mutter um wieviel uhr der bus fährt.
*um kurz nach 11.* meinte sie.
doch ich wollte es ganz genau wissen, ich wollte ganz genau wissen wieviel zeit ich hatte.
*um 23.12 uhr* sagte sie daraufhin.
damit konnte ich etwas anfangen, das war präzise.
so hatte ich also noch gut eine halbe stunde zeit alles zusammenzusuchen, in all den räumen die so weit auseinander lagen.
ich fand auf anhieb weder meine lederjacke noch sonst etwas warmes zum überziehen, und es würde kalt werden um diese zeit, auch wenn ich nur eine gute stunde bleiben wollte.

so irrte ich also in meinen räumen umher und fand stückchen für stückchen das was ich tragen wollte. die goldenen schuhe hatte ich mir schon angezogen. nicht so feine schmale zierliche teile wie man jetzt denken könnte, nein es waren eher schuhe von der gröberen, klobigen sorte. aber sehr schöne, mir gefielen sie und das war die hauptsache.
ich ärgerte mich ein bisschen über den großen fleck auf der oberseite des rechten schuhs. aber daran konnte ich jetzt so kurz bevor der bus kam nichts mehr ändern.
ich konnte sowieso grundsätzlich nichts daran ändern, weil es sich bei dem fleck um kleber handelte, und ich hatte keine ahnung wie das zu beseitigen wäre.
dort wo ich hingehen würde war es eh düster und schummerig, niemandem würde der fleck auf dem schuh ins auge springen.
und selbst wenn, was interessierte mich das schon.
immerhin waren sie goldfarben.

in vielen räumen durchwühlte ich schubladen, öffnete schranktüren und fand alles mögliche, nur diese lederjacke nicht, und die brauchte ich unbedingt. oder zumindest einen dicken pulli. aber ich fand einfach nichts.
hinter zwei schubladenklappen fand ich versteckt tapetenrollen und kleister. lieber hätte mein verstand schriftrollen gefunden, sie auseinandergerollt und darin gelesen. doch im traum waren es eben einfach nur diese tapetenrollen.
ein schweres goldenes shirt fand ich, kurzärmelig und am hals mit grünen edelsteinen besetzt. darunter zog ich ein langarmshirt im grün der edelsteine. das sah schön aus, vor allem paßte es gut zu den schuhen.
so war ich also fast fertig, als ich einen anruf bekam. es war claus. ich kannte ihn eigentlich nicht, hatte aber seinen namen im handytelefonbuchspeicher stehen.
ich verstand kein wort, meine umgebung war gerade so laut, ich konnte wirklich nichts verstehen.
*ich ruf dich zurück.* sagte ich und verließ die laute gegend.

und dann verpaßte ich den bus.
und das nur, weil ein mann mich unbedingt haben wollte.
genau das war es, was mich an ihm so störte: offensichtlich wollte er mich HABEN.
alles was er von mir wollte hielt mich davon ab, mit ihm  zusammen sein zu können. der einzige trumpf den er hatte war seine physische stärke. und die setzte er ein, wann immer er etwas nicht bekam, was er wollte.
so handelte er grundsätzlich.
*laß mich los, ich suche meine lederjacke.* sagte ich.
*soll ich dir suchen helfen?* fragte er albern in einem ton der erkennen ließ, das er ganz bestimmt nicht vorhatte mich zu unterstützen.
er drückte mich nur noch fester an sich und ließ einfach nicht locker.
er würde das niemals verstehen. das es im leben nicht darum ging jemanden HABEN zu wollen um seine bedürfnisse zufrieden zu stellen, sondern darum, jemandes wachstum zu unterstützen, die entwicklung zu fördern.
und wenn zwei diese ansichten und absichten teilen würden, dann könnten sie sich zusammentun. das war meine ansicht. und das paßte nicht zu dem zwanghaften verhalten dieses mannes, der alles mit seiner stärke vermeinte zu erreichen. natürlich gelang es ihm oft unter diesem zwang zu bekommen wonach ihm der sinn stand, ich bildete da eine ausnahme. ich hatte meine prinzipien, und da konnte kommen wer wollte, auch wenn er noch so stark war.
*dein agressionspotential ist mir einfach zu hoch, mit uns das wird nichts.* schrie ich ihn an.
nun … für mich fühlte es sich an wie „schreien“, aber ich sagte es im grunde sehr leise, ich konnte noch nie anders als leise.
es gibt andere methoden, den worten nachDRUCK zu verleihen.
*agressionspotential? was kann das sein?* dachte er wohl. jedenfalls schaute er mich mit dieser frage in den augen an.
das war so ein typischer „ich will doch nur spielen“-typ. wirklich … nix für mich.
er ließ mich los, endlich.

aber der bus war weg.

aus der traum.

🙂

Autor: Gerti G.

www.namara-music.de

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