G.fühlt

* born to be mild *

G.angelt

2 Kommentare

Ich befand mich am ufer eines großen sees und hatte meine angeln ausgeworfen. das wasser des sees war klar, leichte wellen bewegten die oberfläche. ich fing einige fische, jedoch nicht auf die klassische art des angelns. die ganze sache hatte keinen haken. dann beschloss ich, mit dem boot auf den see hinaus zu fahren. ein mann begleitete mich, eine frau blieb am ufer zurück und hütete meine angeln.
wir fuhren weit hinaus und warfen die angeln aus. wir ließen uns zeit, hatten keine eile. das wetter war schön, das wasser ruhig, und auch um die angeln am ufer brauchten wir uns keine sorgen zu machen.

nach dem einige zeit vergangen war hörte ich die stimme der hüterin der angeln am ufer:
*ich habe ein HERZ geangelt!*, rief sie. ich schaute zum ufer hin und von weitem, aus dieser entfernung, konnte man das herz sehen. die frau hielt die angel genau so, als hätte sie gerade einen zappelnden fisch gefangen. es war ein recht großes weiches plüschherz. triefend naß baumelte es an der angel herunter.

der mann im boot freute sich mit mir, und unsere FREUDE dehnte sich aus über den ganzen see hinaus. eigentlich hätten wir gar nicht mehr zu fischen brauchen, was wollte ich mehr als EIN HERZ? doch kurze zeit später hatten wir dann noch mal einen großen brocken an der angel. ich streichelte ihn und schaute zu wie er gemächlich und souverän wieder abtauchte.


ich besuchte einen freund mit dem ich einst jahrelang eine LIEBEsbeziehung geführt hatte. ich hatte gehört dass er von seiner freundin alleingelassen worden war. Ayse (eische) hieß sie undhatte inzwischen geheiratet.  ihre kleine gemeinsame tochter – sie trug den namen Shottel ( tss … tja, hab ich halt so geträumt … ) – ließ sie bei meinem ehemaligen lebensgefährten zurück und er selbst hatte seinen kleinen sohn aus einer anderen beziehung mit in die verbindung gebracht.

die beiden kinder waren etwa gleichaltrig, 2-3 jahre alt. Kurt – so nenne ich ihn mal, hatte eine schöne große wohnung. ich hatte den eindruck dass er etwas überfordert war mit den beiden kleinen. Shottel, das mädchen, war sehr scheu. da ich das erste mal zu besuch war wollte ich nicht gleich auf sie zugehen, sondern ihr raum geben um von selbst auf mich zuzukommen. in der mitte des raumes begab ich mich in die hocke, sie stand in einiger entfernung vor mir und betrachtete mich aufmerksam und neugierig. *na, Shottel.* lächelte ich sie an.
hinter mir, etwa in gleicher entfernung wie Shottel vor mir, erschien eine männliche gestalt die das kleine mädchen dazu aufforderte zu mir zu gehen. *geh doch mal zu der Frau.* sagte der mann.

darüber war ich etwas verärgert, ich hatte das gefühl er wollte mir meinen plan vermasseln. ich mochte es ganz und gar nicht, ein wesen was offensichtlich scheu und zögerlich war, so zu drängen.
lieber wollte ich ihr zeit geben vertrauen langsam zu mir aufzubauen. die gestalt verschwand und Shottel kam auf mich zu. wir reichten uns die hände. kalt waren sie. ich war etwas verwirrt, denn sie hatte zugleich kalte und warme hände.

*wie viele hände hast du?*, fragte ich.
*4*, sagte sie.
und tatsächlich, hinten am rücken auf höhe der schulterblätter wuchsen ihr zwei weitere arme.
es war ungewohnt und daher interessant, 4 hände gleichzeitig in den eigenen händen zu halten und zu fühlen wie unterschiedlich sie temperiert waren. ihre kleidung musste wohl maßangefertigt sein, wo bekommt man schon pullis mit 4 ärmeln? für ihr alter konnte sie erstaunlich gut sprechen, obwohl sie kaum etwas sagte.

als nächstes lagen die beiden kleinkinder friedlich schlummernd in einem holzkasten der wohl ihr gemeinsames bett war. sie waren warm zugedeckt mit all ihren kleidungsstücken und allen decken die eigens für die kinder gedacht waren. ich unterhielt mich ein wenig mit kurt. über die schwierigkeiten was die maßanfertigung von Shottels kleidung betraf, über ihre scheu anderen menschen gegenüber und über ihr besonders ausgeprägtes verlangen nach zuwendung, wenn sie einmal vertrauen gefaßt hatte.

plötzlich spürte ich dass etwas nicht stimmte. jemand hatte sich einen streich erlaubt. ich entdeckte einen durchsichtigen wasserschlauch, der im bettkasten hing. das wasser lief in strömen. jemand musste ihn hineingelegt haben und hatte den wasserhahn aufgedreht.

der junge und das mädchen lagen schon halb unter wasser, Shottel lag auf der rechten seite.
Kurt schnappte sich den jungen, ich nahm Shottel aus dem fast schon überlaufenden kasten heraus und zog ihr die sachen aus. ich fragte Kurt nach trockenen tüchern. er hatte keine. das verstand ich nicht.
*wie, du hast alle tücher die sich im haus befinden im bettkasten deiner kinder liegen? und auch all ihre kleidungsstücke? das verstehe ich nicht …*, sagte ich nachdenklich.
*ist aber so.* sagte er.

ich fand noch ein halbwegs trockenes tuch und wickelte Shottel darin ein, sie war noch sehr schläfrig und nur halb wach. Kurt brachte sie irgendwo hin und setzte sie auf einen bequemen stuhl. ich wollte erst noch ordnung machen, die sachen zum trocknen in den wind hängen, und mich anschließend sofort um Shottel kümmern. ich wollte das vertrauen dass sie mir entgegenbrachte nicht gleich wieder zerstören. Kurt hatte mir noch einmal erzählt wie liebesbedürftig sie sei, und wie viel zuwendung sie brauche. sie hatte schon oft enttäuschungen erlebt, nur noch wenig vertrauen und legte oft ein sonderbares verhalten an den tag. auf ihre weise war sie sehr vereinnahmend.

als nun die wäsche gut im wind hing ging ich gleich rüber zu Shottel, sie trug einen hellblauen body der oben etwas naß war. ich nahm sie in die arme um sie weiter zu wärmen.
daraufhin strahlte sie so sehr, wie ich noch nie ein wesen vor lauter FREUDE habe strahlen sehen. was für eine FREUDE das war, auch für mich! ich trug sie NACH HAUSE und traf die entscheidung für immer bei ihr zu bleiben.

 

Autor: Gerti G.

www.namara-music.de

2 Kommentare zu “G.angelt

  1. Eine schöne Geschichte, da wird einem gleich warm ums Herz und schmunzeln kann man auch. Du kannst wirklich mit Worten umgehen, meine Sachen klingen immer so plumb im Vergleich dazu. Wer hätte gedacht das man angeln so einbauen kann

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  2. hi Svea, wo kann ich denn deine geschichten lesen? schönen link hast du da eingebaut … das erinnert mich an den 1,60 cm großen wels den ich mal fotografiert habe, ein spektakulärer fang meines bruders. 🙂

    ansonsten … die geschichte hab ich so g.träumt.
    danke für deine wertschätzung!
    sMARAgdaGruß 🙂

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