G.fühlt

* born to be mild *

G.grillt

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Ich stehe am Gleis und beobachte, wie unterschiedlich die Wartenden Menschen auf den herannahenden Zug reagieren. Die meisten bewegen sich näher an die Gleise heran. Der Mann mit dem Roller steht wieder genau an dem Punkt, wo die Tür des letzten Wagons sich gleich auftun wird. Als der Zug anhält lassen sie gerade mal so viel Platz, das die ankommenden Fahrgäste durch ein schmales Spalier gehen können. In EinerReihen. Ich stehe ein bisschen abseits und habe ganz besonders heute nicht die Spur von Eile. Bisher bin ich noch immer in jeden Zug reingekommen. Und auf dem Rückweg bekomme ich auch immer einen Sitzplatz, so what? ;- ) Ich mag nicht immer am selben Platz stehen, ich mag nicht immer die gleiche Haltung beim Warten einnehmen. Ich lehne mich mal hier und mal da an, gehe mal auf dem Gleis nebenan spazieren, stehe mal so, mal so. Die Monotonie des Wartens bis man endlich nach Hause gekarrt wird – mag ich nicht mitmachen.

Nun sind alle ausgestiegen und die Wartenden stürmen den Zug. Es ist ein…Doppeldecker…ich weiß nicht wie diese Züge heißen, ich nenne ihn einfach mal Doppeldecker. Ganz langsam gehe ich vorwärts, heute werde ich mal nicht von allen Seiten gedrückt und geschubst, eine Frau lässt mir sogar den Vortritt.

Im Wagon setze ich mich auf die linke Seite, ich wähle einen Vierer und setze mich neben den jungen Mann am Fenster links. Der Mann mir gegenüber hebt seinen Rucksack hoch und will mir den zweiten Fensterplatz freimachen. „Och nö, danke, ich setz‘ mich hier hin.“ sage ich, während ich Platz nehme. Er sagt nichts. Hat auch gar nichts gehört. Wie konnte ich auch annehmen, mich hier mit jemandem unterhalten zu können? *zwinker* Er ist natürlich verstöpselt, der junge Mann. Hat Musik auf den Ohren, nicht so laut, dass ich sie hören würde. Ich mache es mir gemütlich auf meinem Platz und schaue mich um. Der junge Mann neben mir tippt auf seinem Handy herum. Mein Gegenüber kramt jetzt auch sein technisches Etwas aus der Tasche und tippt. Es klingelt, beziehungsweise: ein Musikstück erklingt. Mein Nebenmann geht zu schnell dran, als dass ich das Musikstück hätte erkennen können. „Hallo?“ sagt er, und beginnt ein Gespräch. Er kann heute Abend nicht, weil er unbedingt zu einer Probe muss. Mit seiner Band. Sie haben am Wochenende einen Auftritt bei einer WG-Party. Da kommen wichtige Leute, da muss er unbedingt noch mal zur Probe erscheinen. Es ist nämlich auch jemand dabei, der irgendwas mit den Toten Hosen zu tun hat. Plattenladen. Aber wie wärs denn mit Morgen? Wenn so schönes Wetter wäre wie angesagt, könnte man doch die Grillsaison eröffnen. (das finde ich auch!:-)

Ich komme mir vor wie ein Exot, nehme mein Notizbuch aus der Tasche und habe Lust aufzuschreiben was ich sehe. So richtig mit Kuli auf Papier. Das habe ich in der Bahn auch schon anders gesehen. Rechts gegenüber klingelt es. „Hallo?“ Drei blonde junge Frauen und ein blonder junger Mann sitzen zusammen. Sie unterhalten sich nicht miteinander, sondern jeder für sich mit dem Handy. Die Mädels sprechen, der Mann blickt von einer zur anderen. Ab und zu zieht mein Gegenüber die Nase geräuschvoll hoch und tippt weiter auf seinem technischen Teil herum. Tüdeldüt. Jemand hat eine SMS bekommen. Ahh … mein Nachbar links. Oh, ich stelle fest, dass sich zwei Menschen tatsächlich miteinander unterhalten. Ich dachte schon sie telefonieren. Hätte ja sein können. Ich schaue mich genauer um. Kaum ein Mensch, der nicht sein Handy in der Hand hält und tippt oder telefoniert …

Zielbahnhof erreicht. Ich steige aus und gehe gemütlich langsam zum Parkplatz. Als ich die Treppe hochgehe bemerke ich einen Mann neben mir, der die letzten paar Stufen gleichzeitig mit mir geht und mich die ganze Zeit betrachtet. Ich gehe rechts, er links. Wie ich sehe wird er nach rechts gehen, ich möchte links herum, und so kreuzen sich unsere Blicke, unsere Wege. Er ist grauhaarig, lächelt mich an. „Tschuldigung.“ sagt er. Ich weiß nicht warum. „Nix passiert.“ sage ich lächelnd, gehe zum Kiosk und später zum Auto.

Ich fahre auf die erste Ampel zu. Auf dem Gehweg rechts bemerke ich einen Mann mit Stöpseln in den Ohren, ein viereckiges Teil in seinen Händen, in das er hineinspricht. Ich schaue geradeaus. Auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung geht eine Frau und telefoniert gerade per Handy. Der Rest der Strecke ist menschenleerer. Auch habe ich genug gesehen.

Der Mensch macht sich mehr und mehr zum Sklaven der Technik.

Gerti G.

Autor: Gerti G.

www.namara-music.de

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