G.fühlt

* born to be mild *

G.glüht

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Ich arbeite in der Praxis, in der ich meine Ausbildung absolviert habe. Die letzte Szene in meinem Traum ist, dass ich meinen Chef schlafend in einem Raum finde und ihm versuche zu sagen, dass ich gerade nicht sprechen kann, weil ich eine Glühbirne im Mund trage. 😉

Mein Chef scheint mit seiner Familie ausgeflogen zu sein. Es ist ein ziemliches Durcheinander überall, ein regelrechtes Chaos. Ich glaube, es ist der erste Arbeitstag nach einem längeren Urlaub. In jedem Praxisraum ist der Himmel los, es sieht aus, als flöge alles unsortiert durcheinander. Ich schaue in alle Räume. Meine Kolleginnen sind auch irgendwo, mal hier mal da, und helfen nicht gerade tatkräftig mit, das Chaos zu beseitigen. Sie schauen öfters auf ihre Armbanduhren.

Ich betrete den wichtigsten Praxisraum und entdecke einen Plastikroller, dessen hohle Plastikteile voller Wasser sind, bzw. ein Teil davon ist schon ausgelaufen und nun ist ein Großteil des Teppichs durchnässt, richtige Kuhlen sind entstanden, in denen das Wasser steht. Es liegen viele Kleidungsstücke am Boden, sie sind alle durchnässt. Ich sammle sie auf um sie in den Waschraum zu bringen. Ich frage mich wie es den vielen Paaren Schuhe ergehen wird nach dem Trocknungsvorgang … So riesige türkisblaue Schuhpaare habe ich noch nie gesehen. Und sie sehen alle so neu aus, völlig ungebraucht, ich hoffe sie überstehen das nasswerden gut. Überall trete ich in Wasserlöcher. Es müssen noch andere Quellen existieren, so viel Wasser kann nicht allein aus diesem kleinen Roller herauslaufen …

So gehe ich in den Raum mit dem Zauberbrunnen. Eine Frau wartet mit ihrem Sohn in diesem Raum auf meinen Chef. Der Junge hat alles spielbare auf dem Boden ausgebreitet und daraus jeweils etwas gebaut. Ich bestaune es, bin aber im Geiste schon dabei, es in die entsprechenden Spielkisten einzuräumen. Ich empfinde mich als unfair bei diesem Gedanken, und lächle den Jungen noch einmal an, so als hätte er meine Gedanken lesen können. Immerhin möchte ich um 18 Uhr die Praxis verlassen und habe noch einiges zu tun bis alles piccobello ist.

Als nächstes sehe ich überall Scherben von zersprungenen Glühbirnen liegen, zum Glück sind sie weit von der Spielfläche entfernt. Ich gehe zum Zauberbrunnen und schaue in die normalerweise spiegelglatte Oberfläche. Blumen erkenne ich darin, wunderschöne Blumen. Am Rand liegt mein Zauberstab und eine Feder. Ich bringe alles in Sicherheit, ich weiß nicht warum es offen herumliegt, weiß nicht wer meine Utensilien dort hingetragen hat. Es kommt mir alles sehr seltsam vor. Wer hat in meinem Zauberbrunnen gematscht? Ölaugen schwimmen auf der Wasseroberfläche und einen Schmierfilm bemerke ich. Mutter und Sohn im Raum haben das nicht verursacht, das fühle ich, als ich ihre gutmütigen, unbedarften, unschuldigen Gesichter betrachte.

Ich halte meine Handflächen in einem gewissen Abstand über die Wasseroberfläche, die sich zu drehen beginnt. Ölaugen, Schmier, alles vermischt sich kreisend, schneller und schneller, und am Rand des Zauberbrunnens ist das Wasser schon klarer zu durchblicken. So nehme ich eine Hand zurück und arbeite nur noch mit der Linken. Rührbewegungen mache ich, ohne die Wasseroberfläche zu berühren. Mittlerweile haben Mutter und Sohn neugierig ihre Köpfe so nah wie möglich meinem Tun entgegengestreckt. Ich lächle sie an, weil sie mich so staunend anschauen.

Ich bin sehr zufrieden mit dem sich bewegenden Wasser, die Ölaugen nebst Schmierfilm scheinen sich aufgelöst zu haben, sie sind nicht mehr zu sehen. Alles ist klar und rein, transparent, durchschaubar, ganz so wie ich es mag.

Auf dem Flur begegne ich einer Kollegin, beginne mit ihr zu sprechen und gebe ihr wichtige Anweisungen wie wir das Chaos hier am schnellsten beseitigen damit wir rechtzeitig fertig werden. Von links kommt eine weitere Kollegin und beginnt mit derjenigen zu plappern, mit der ich gerade im Gespräch bin. Ich brause auf und weise sie zurecht in einem Ton der sie veranlasst, beleidigt auf dem Absatz kehrt zu machen.

Das ist hier kein Ponyhof, wir haben etwas wichtiges zu erledigen und es tut uns allen gut, zur rechten Zeit damit fertig zu sein. Ich gehe noch einmal zurück in den Raum, in dem das Wasser steht. Ein wenig ist schon getrocknet. Ich schaue aus dem Fenster und sehe zu meinem Erstaunen, dass der Anrufbeantworter der Praxis nebst Mobiltelefon draussen liegt, alle Geräte mit Strom versorgt, aber draussen. Und es sieht so aus, als würde es bald regnen. Puh, das nächste Problem. Mir wird alles zu viel, trotzdem behalte ich die Oberhand und schaffe es, Ordnung in alles zu bringen. Immer mehr zerbrochene Glühbirnen begegnen mir, große weiße, noch größere goldene, sie liegen da, als hätte sie jemand ganz sorgfältig hingelegt. Ich nehme sie alle auf, verletze mich aber etwas am Finger. Zuletzt habe ich keinen Platz mehr und stecke mir eine Glühbirne in den Mund.

Das ist der Moment, in dem ich den Raum betrete, in dem mein Chef im schicken dunkelblauen Anzug schlafend am Schreibtisch liegt. Langsam erwacht er und erhebt blinzelnd seinen Kopf vom Tisch, als er mich hereinkommen hört. Er ist wunderschön, mein Chef. Jung, ausdrucksvoll, von persischer Abstammung mit tiefschwarzem Haar, dunkelbraunen Augen, in denen die Sonne wohnt – und wir strahlen uns an.

Gerti G.

Autor: Gerti G.

www.namara-music.de

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