G.fühlt

* born to be mild *

Smaragda und Tannensand

3.12.08

Es waren einmal zwei hübsche Jungfern. An einem wundersonnigen Sonntag im frühen Winter des Jahres 2008, nicht lange vor dem Tag, an dem die Erde stillstand, schwangen sie sich auf ihre Räder sattelten sie ihre Einhörner, packten allerhand wundersamen Kram in ihre gereumigen Taschen schnürten ihr Säckel und fuhren und ritten in den nahegelegenen Wald.
Freudig schnaubten die Einhörner und stimmten mit ein in den gemeinsamen Gruß an den Waldgeist. Die laubbedeckten Wege dämpften das sanfte trappeln der Einhörner. Es war so matschig im Wald, dass sie ihre Drahtrösser zuweilen neben sich herschieben mussten. Tannenduft lag in der Luft. Flugs gelangten sie geradewegs zum Hexenkreis, stiegen ab und betraten mit langsamen, ehrfürchtigen Schritten den grasbewachsenen Boden genau dort, wo sich die Öffnung befand. Und es war, als tat sich ein Raum auf, sobald sie einen  Fuß auf den von Baumstämmen umsäumten Platz setzten. So gingen sie  auf die Mitte des Kreises zu und legten eine warme Decke nieder.

Tannensand, so hieß die Eine, öffnete ihren Zauberbeutel. Heraus kamen einige brauchbare Dinge, um es sich dort so richtig gemütlich zu machen. Da war zum Beispiel eine Flasche mit heißem Apfelwein, ein Kleiner Kobold, ein Räuchergefäßlein, Kohle und etwas Weihrauch zum rumstinken  zum räuchern. Auch Smaragda, so hieß die Andere, öffnete ihr Säckel. Darin befanden sich ein Kerzchen, magische Steine, Rauchwaren, wunderschöne Glaskrüge für den Apfelwein und letztlich ein paar wunderbunte, wohlriechende Essenzen. Mit einem langen Ast schloss Smaragda nun den Hexenkreis, verband die Öffnung mit den dicken Baumstämmen, und wars zufrieden. Nun konnte sie ihre magischen Herzsteine kreisförmig in alle Himmelsrichtungen verteilen und dann ließen sich beide auf der Decke nieder, zündeten das Kerzchen an und stellten es an einen dafür geeigneten Platz.

Nachdem sie gemeinsam ein Gebet gesprochen hatten vollzog Smaragda ein geheimnisvolles geheimes Ritual, um die Waldwesen und Naturgeister zu sich zu rufen. Sie murmelte viele dieser unverständlichen Worte, und selbst wenn man sie verstanden hätte, so dürften sie an dieser Stelle nicht weitergegeben werden. Anschließend saßen sie noch eine Weile still und mit geschlossenen Augen da und taten dem Wald und all seinen Bewohnern gutes, so, wie es in ihren Kräften stand und in ihrer Absicht lag. Und dann prosteten sie sich erst einmal fröhlich zu, den frischeingegossenen heißen Apfelwein in den Krügen, und erfreuten sich an seinem Duft.

„À votre santé“, sagte Tannensand und lächelte. „À votre…was heißt eigentlich *heilig* auf französisch?“, fragte Smaragda darauf. „Irgendwas wie ’saint’. Mon Dieu, du stellst Fragen.“ kicherte Tannensand. Und dann tranken sie und zündeten sich etwas Tabakzeug an.

„Siehst du wie sich die Äste biegen, Tannensand?“, flüsterte Smaragda so leise, als ob sie jemanden verscheuchen könnte, wenn sie lauter spräche. „Schau dir das an, was für ein Gewicht, das müssen viele sein!“ Und wirklich, die mächtigen Tannen rund um den Platz bogen sich leise knarrend, wie unter großen Schneemengen. „Wie schön, dass sie alle hier sind und uns zuschauen!“, führte Smaragda ihren Monolog fort. „All die Devas, die Elfen und Feen, die Gnome und Wichtel. Merlin und Pan sind auch hier, ich spürs ganz deutlich!“ Und sie nahm ihre Essenzen und beide sprühten sich damit ein und genossen den feinperligen Sprühnebel mit diesem herrlichen Duft ebenso wie die Energien, die bald in Wellen auf sie einströmten.

Stern hatte sich mittlerweile im Moos niedergelassen. Stern, das war der Name den Smaragda ihrem Einhorn einst gegeben hatte, denn das Tier war eines der strahlend weißesten Einhörner, die die Welt jemals gesehen hatte, und eines konnte kaum anders, als dieses freundliche Wesen so zu nennen.
Einige der Waldwesen und Baumwichtel hatten sich von den Ästen herabgelassen und kümmerten sich nun um das Tier. Die Feen und Elfen nahmen sich besonders gern ihre lockige Mähne vor. Im Nu flochten sie filigrane hübsche Zöpfchen aus dem langen, schneeweißen Haar.
Die Baumwichtel, die man wegen ihrer äußeren Gestalt nur allzu leicht mit leibhaftigen Baumwurzeln verwechseln konnte, fühlten sich für das glänzende Fell zuständig. Sie kraulten hier und bürsteten da mit ihren groben zarten Händen und waren darin überaus geschickt. Es war, als würden sie sich tagein tagaus mit nichts anderem beschäftigen, als Einhörner zu pflegen. Doch wer in aller Welt wußte das schon so genau, was es mit dem Tagwerk dieser Waldwesen auf sich hatte. Die Devas begleiteten jedenfalls wachsam das emsige Tun der Wesen, und sie waren’s sichtlich zufrieden.

Lord, der einmal ein stattlicher Einhornhengst werden wollte, ließ sich das nur gefallen wenn er sich unbeobachtet fühlte. War Stern in seiner Nähe, so schüttelte er schnell sein Fell wenn die Elfen sich ihm näherten und wollte einfach nicht stillhalten. Er gestattete ihnen allemal einen Ritt auf seinem breiten, für einen so jungen Hengst schon sehr muskulösen Rücken, ein paar Schritte nur, das war für die kleinen Wesen schon eine Weltreise für sich.
Stern warf einen stolzen Blick in seine Richtung. Sie fühlte sich sehr wohl ob der Pflege so vieler Wesen um sie herum. Die kalte Winterluft machte ihren gleichmäßigen Atem sichtbar, den sie zufrieden durch ihre Nüstern blies. Stern hatte sich längst heimlich in Lord verliebt und sie war immer gleich zur Stelle, wenn sie von den Menschen zu einem gemeinsamen Ritt gerufen wurden.

Tannensand hatte unterdessen Weihrauch angezündet, und es duftete durch den ganzen Wald. Am liebsten hätte Smaragda ein großes Freudenfeuer zu Ehren des Waldgeistes und seiner Anhängerschaft entfacht, doch wollte sie dem Gras keinen Schaden zufügen und beließ es dabei, von einem großen Feuer zu träumen, in dem sie nach Herzenslust mit Ästen und Stöcken herumstochern konnte. Sie dachte an dampfende Maronen, Kartoffeln aus dem Feuer, sprühende magische Funken und einiges andere.

Und plötzlich wurde es ganz still. Es wurde so ruhig, still und leise, wie es in diesem Wald wohlmöglich noch niemals nicht gewesen war. Eine machtvoll wuchtige, und dennoch auch leichte Energie erfüllte den Hexenkreis, ja den ganzen Wald, und ließ augenblicklich alles verstummen, so ehrfurchteinflößend als dulde sie keinen Laut.

„PAN…“, flüsterte Smaragda, und da hatte sie wohl recht. Der Gott der Anderswelt, der Gott der Unteren Welt, der Hüter der Waldwesen persönlich war erschienen um sich ihrem Tun dazuzugesellen. Hellgleißende Lichtströme und Wellen gingen von ihm aus, man hätte auch sagen können, er war das Licht selbst. Smaragda und Tannensand schauten mit weit geöffneten Augen wie gebannt auf seine Erscheinung und blieben mucksmäuschen still. Selbst wenn sie gewollt hätten, es war ihnen nicht möglich auch nur eine Wimpernbewegung zu tun.

Die Energie kam nah und näher, und es war, als tat sich der Himmel auf…
Aber davon wollen wir euch in einer anderen Geschichte erzählen…oder wie sagt man?

Gerti G. – freudig schmunzelnd

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